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Solastalgie – war früher alles besser?

Beim Lesen des Buches „Mensch, Erde“ von Eckart von Hirschhausen bin ich auf den Begriff der Solastalgie gestossen:

Solastalgie – die Trauer über das, was für immer weg ist.

Sola = solatium  Trost

Algie = Schmerz

Dann habe ich mir überlegt, ob ich traurig bin, dass so vieles für immer weg ist. Dabei fiel mir auf, dass nicht alles früher besser war. Als Kind, ca. 1972, bin ich in der Ruhr bei Mülheim, wo ich aufgewachsen bin, geschwommen. Danach bekam ich schwere Ausschläge, weil die Ruhr so stark verschmutzt war. Es schwammen Schaumkronen von den ganzen Chemikalien auf dem Fluss. 25 Jahre später war die Ruhr renaturiert und man konnte Reiher dort ansiedeln.

Meine Eltern hatte 1976 die Chance einen Kleingarten anzumieten und mein Vater fand in den diversen Schuppen noch jede Menge Gift, dass zur Unkraut- und Insektenbekämpfung eingesetzt wurde. Schwer giftig auch für Menschen. Mein Vater sah nicht ein, dass er Gemüse anbauen sollte und dies zu vergiften, also entsorgte er alles was er fand und startete mit viel Mut in einen gesunden Anbau. Kurze Zeit später, schlug der „Bienenvater“ der Kleingarten Alarm. Jede Anlage hatte zu der Zeit eigene Bienenvölker und der Imker wurde Bienenvater genannt. Ihm starben die Völker durch das viele Gift. Also wurde in einer Versammlung beschlossen, dass man umsteigen würde auf „Öko“. Man siedelte Igel an und stellte die Gärten um, sodass dort Pflanzen und Gehölze wuchsen, die dort auch überleben konnten, ohne Gift. Die Umstellung war erfolgreich, wir hatten tolle Erträge an Gemüse und Obst und eine Oase für die Menschen und Tiere.

Aber dann sind wir als Gesellschaft irgendwie „falsch abgebogen“. Es ging nur noch um höher, schneller, weiter. Jedes Jahr etliche Reisen, jede Menge billige Produkte und Kleidung, immer größere Autos und das hat die anfänglichen Erfolge von „Öko“ wieder zurückgeworfen. Die Ruhr ist zwar immer noch sauberer als 1972, aber auf meiner Fahrt von Franken ins Ruhrgebiet sind so gut wie keine Insekten mehr auf meiner Autoscheibe. Jedes Jahr sind weniger Vögel in meinem Garten und ich muss im Sommer mehr füttern als im Winter, weil sie keine Insekten finden. Der Aufwand, den ich im Garten treiben muss, um den Boden zu mulchen, damit er feucht bleibt, weil weniger Niederschläge kommen, ist enorm.

Ja, ich bin traurig, dass so vieles für immer verloren ist und leider ist kein Ende abzusehen. Lasst uns Gärtner*innen einen kleinen Beitrag leisten und verwandeln wir unsere Gärten in Paradiese für Mensch und Tier. Es ist einfacher als ihr denkt, es braucht keine Steinwüsten, um einen „pflegeleichten“ Garten zu haben. Meldet Euch gerne bei mir, wenn ihr Anregungen braucht.

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